Tennis, sechzehn Jahre später
Von Kerstin V. · 13. Juli 2026
Über: Blindentennis-Bälle, Version 3.0 (neuestes Modell)
Ich habe bis Mitte dreißig im Verein Tennis gespielt, zweimal die Woche, Medenrunde, das ganze Programm. Dann kam eine Makuladegeneration, und innerhalb von vier Jahren war der Ball für mich nicht mehr da. Verkauft habe ich den Schläger nie. Er lag sechzehn Jahre im Keller hinter den Winterreifen.
Letztes Jahr hat mich Ulrike, eine Trainerin aus München, zu einer Blindentennis-Gruppe mitgenommen. Gespielt wird auf einem kleineren Feld mit tastbaren Linien, das Netz ist niedriger, und je nach Sehklasse darf der Ball zweimal oder dreimal aufspringen. Bei mir sind es drei. Das Herzstück der ganzen Sache ist aber der Ball: weicher Schaumstoff, innen eine Rassel.
Angefangen haben wir mit älteren Bällen. Seit dem Frühjahr spielen wir die Version 3.0, und der Unterschied ist größer, als ich erwartet hätte. Der Klang ist sauberer, und der Ball springt niedriger und gleichmäßiger. Das klingt nach einer Kleinigkeit für Leute, die zuschauen. Für mich ist es der Unterschied zwischen Raten und Spielen. Ich höre inzwischen nicht nur, dass der Ball kommt, sondern von wo und wie schnell.
Ehrlich gesagt: Im Doppel verliere ich die Rassel manchmal, wenn vier Leute gleichzeitig laufen und alle rufen. Im Einzel stört mich gar nichts. Und der Schaumstoff franst mit der Zeit aus, bei uns nach etwa einem halben Jahr, deshalb bestellen wir im Zwölferpack und nicht einzeln.
Ich bin einundfünfzig und spiele wieder Tennis. Meine Vorhand ist schlechter geworden. Mein Gehör deutlich besser.